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Normalität
Öffne erschrocken meine Augen, mein mechanischer Wecker hat mich mit garstigem Schrei geweckt. Täglich zwingt er mich in meine Lebensschleife. Ein Déjà-vu überkommt mich, fühle mich, als würde ich diesen Tag immerzu leben, richte mich mühsam auf, werfe einen Blick durch einen kleinen Spalt, den der graue Rollladen übrig ließ: Einige Schaulustige auf der Straße, es scheint ein Unfall geschehen zu sein, ein Zyniker mit geschultem Blick erkennt so Etwas am Menschenauflauf und an den bisweilen unkoordiniert anmutenden Bewegungen. Einige Leute gehen einen Schritt zur Seite, ein verbeulter Motorroller, daneben liegt ein Mann, wohl wieder einer dieser jungen Raser, von seiner eigenen Risikobereitschaft bestraft. Nicht, dass es eine Angenehme Angelegenheit sei, trotzdem freue ich mich über jegliche Abwechslung, die der Tag mit sich bringt, koste sie bis zum Ende aus, allzu viele sind es nicht. Blicke auf meine Armbanduhr, bemerke, dass ich in Kürze auf die Arbeit muss, überlege, zögere, bin ungewiss was ich wirklich will. Habe es so satt täglich Arbeiten zu gehen, habe es satt immerzu das Gleiche zu tun. Am besten niemals mehr dieselben Augenblicke, nur so kann ich leben, in Ordnung und Wiederholung finde ich täglich meinen ganz persönlichen Tod. Für manche ist es vielleicht ein Fest, für mich die reinste Qual, ich brauche Abwechslung, das ist für mich das wirkliche Leben, habe es viel zu oft verleugnet, das Verlangen zu lange unterdrückt. Nun lege ich mich wieder sanft auf meine Matratze, starre an die Decke, bemerke, dass meine Wohnung zugleich Gefängnis ist. Doch wie kann ich mich jemals befreien? Es ist sinnlos in einer Welt der Egoisten auf Rettung zu hoffen, in nur einem Wimpernschlag sind alte Ansichten geweckt. Ich ergötze mich über Unheil und Not der Anderen, um die eigene Tristes zu besiegen. Wahrscheinlich war ich niemals geschaffen für dieses System, war niemals in eurem Takt, nun will ich der Zeiger sein der für entgegen der Uhr schlägt. Auflehnung ist gewollt, die Revolution beginnt im Geist. |
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