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Tabori - Mein Kampf - Josefstadt
Ein Bericht aus der Aufführung vom Theater in der Josefstadt, von heute:
Besetzung: Shlomo Herzl: Karl Markovics Lobkowitz: Fritz Muliar Adolf Hitler: Florian Teichmeister Gretchen: Hilde Dalik Frau Tod: Katja Seibt Himmlischst: Alexander Waechter Erster Eindruck: Auf der Bühnen-Rückwand ist "Panheon-Architektur" zu sehen, das habe ich als Symbolik ausgezeichnet gefunden. Die sonstige Bühnenausstattung: Zwei Zelte, ein ständig brennender Camping-Kocher und ansonsten diverse Kissen, Sessel und Chaos. (Warum man ein "Männerwohnheim" Anfang des 20.Jhdts mit Zelten umstilisieren muss, wird mir vermutlich niemand schlüssig erklären können.) Das Stück: Tabori ist langatmig. Die (ebenfalls langen) Anfangs-Dialoge kaum der Story zuträglich, aber wenigstens mit einem gewissen Wortwitz - was aber wieder imho dem Ernst des historischen Hintergrundes und der offensichtlich beabsichtigten Botschaft entgegen steht. In wieweit es notwendig war "Lobkowitz" überhaupt ins Spiel zu bringen, und mit dieser Figur (+ Dialoge Herzl-Lobkowitz) Religion im Allgemeinen und die jüdische Religion im Besonderen auf die Schaufel zu nehmen ist mir wirklich nicht klar. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass Tabori vielleicht zunächst eine Kommödie machen wollte und dann halt einfach das Geleis gewechselt hat ohne den Anfang umschreiben zu wollen. Ganz abgesehen davon dass lange, abwechselnd gesprochene Monologe für den gerade schweigenden Darsteller auf der Bühne sowieso eine darstellerische Peinigung sind. Dann kreuzt dieser Hitler auf und ist eigentlich nur ein unterbemittelter Depp der viel aber wenig überzeugend schreit, noch mehr und absolut unbeholfen mit den Händen herumfuchtelt (da hat Herr Teichmeister wohl in der ersten Stunde in der Schauspielschule nicht aufgepasst?) und nichts aber auch schon gar nichts von der diabolischen Katastrophe an sich hat welche unserer Welt ein so schreckliches Kapitel beschert hat. Adolf Hitler als "goofigen Vollkoffer"? Naja, ich weiss nicht...... Tabori lässt trotz aller Langatmigkeit keine Erklärung dafür aufkommen warum dieser "Shlomo Herzl" sich so "mütterlich" um Adolf Hitler angenmommen haben sollte. Eine weitere Verwässerung des Charakters "Shlomo Herzl" kommt mit dem völlig widernatürlichen und absout unnötigen ins Spiel bringen der Figur des Gretchens. Dadurch wird der "Mensch Shlomo Herzl" zum "Pädophilen Shlomo Herzl" degadiert was ihn eigentlich zu einem totalen Unsympathler machen würde wenn nicht A.H. sowieso das größere (historische) A-loch gewesen wäre. Deswegen "historische" weil es eben in der Figur A.H. von Tabori nicht einmal im Ansatz 'rüber kommt. Und wenn die massivst breitgetretene Darstellung dass A.H. an massiver Verstopfung leidet und lange Strecken damit beschäftigt ist vergebich zu versuchen zu schei**en, irgend eine Botschaft haben soll, dann ist mir die leider entgangen. Die viele, unerträglich lange Minuten völlig nackte Hilde Dalik als "minderjähriges Gretchen" mag ein "Hingucker" sein (wirklich? In Zeiten wie diesen?) mag provokant sein (wirklich? In Zeiten wie diesen?) mag....? ja, was denn eigentlich? Fritz Muliar ist einfach Fritz Muliar und damit einer der größten auf Wiener Bühnen. Punkt. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Absolut grandios und wirklich bewegend, beeindruckend und ebenso massiv wie omnipräsent ist Karl Markovic. In Summe: Wenn man den ersten Akt auf 10 Minuten zusammenstreicht dann hat man gemeinsam mit dem zweiten Akt einen fulminanten Einakter der wirklich unter die Haut geht. Ersetzt man dann Florian Teichmeister auch noch mit einem Schauspieler der den "Dämon Hitler" (ganz unterschwellig und weit unterhalb der eigentlichen Textzeilen) tragen kann dann würd' ich mir das sogar noch einmal anschauen. |
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