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die namenlosen

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Veröffentlicht: 22.01.2012 um 15:01 von maximilian
Aktualisiert: 22.01.2012 um 16:20 von maximilian

Erlebtes und erdachtes 33

württemberg 1960

es kam der umzugstag. alles war in kartons verpackt. unsere eltern hatten nicht gerade begeistert unseren plan zur zur kenntnis genommen. die möbelpacker zerlegten die schränke und verstauten unser hab und gut in einem großen umzugs-lastwagen. ich spüre heute noch dieses komische gefühl: meine frau, die zwei kinder und ich saßen vorne bei den packern im führerhaus und hinter uns sauber gestapelt alles, was wir besaßen.
so fuhren wir zum ersten mal in die fremde, in der hoffnung, es richtig entschieden zu haben und für unsere familie eine gute zukunft einzuleiten. ich erinnere mich noch, dass ich bei der fahrt die geislinger steige hinab, wo man von der straße aus den friedhof sehen kann, bei mir gedacht habe: "werden wir wohl einmal hier liegen?"
Wir wurden freundlich empfangen. das hausbesitzer-ehepaar hatte eine "sehr erwachsene" tochter, aber keine enkel. unsere beiden hatten sofort die volle aufmerksamkeit. Ich war im geschäft gleich ganz in anspruch genommen. meine frau musste dagegen einen schweren kampf gegen ihr heimweh führen.
es lag nicht an den hausleuten, die von anfang an freundlich und hilfsberei waren und uns an ihrem leben bezüglich ausflügen, wanderungen und gartenbenutzung teilhaben liessen. die hausfrau brachte eines tages ein zusätzliches zudeckbett für die kinder mit der bemerkung: "die rechte muß nicht immer wissen, was die linke tut". der hausherr versorgte uns mit obst, most und eiern: " es müssen ja nicht alle wissen".
es passierter so manches mal, dass er sonntag früh bei uns klingelte und sagte: "heut got mer nach schlat" oder "heut got mer nach ginga". das bedeutete eine wanderung in eine der nachbarortschaften zum gemeinsamen mittag essen. es gab da keinen widerspruch - wie wenn wir zur familie gehörten. an manchen samstagen kam er und kündigte an: "heute abend holt ihr die mutti zum fernsehen; denn ich gehe jetzt zum friseur mich rasieren lassen und dann in den ochsen zum kartenspielen".
wallys probleme lagen woanders. eine fremde welt mit völlig anderer weltanschauung und menschen, die zwar freundlich waren, aber deren sprache sie nicht verstand. beim metzger: "grüß gott, wa welletse?" "drei paar regensburger". "wa welletse?" "drei paar regensburger". kein verstehen. Wally zeigt auf die gewünschte wurst. "ah, raute wiescht". die hausfrau trifft im hof ihre nachbarin, eine bäuerin, die auf ihrem misthaufen steht auf die mistgabel gestützt. "wa tuascht denn elles, emma?" "wa wer i scho tua".
die spaziergänge mit den kindern erschöpften sich bald, da es keine spielplätze gab und "im nachbarort sieht es nicht anders aus".
die weltanschauung der würrtemberger zeigte sich auch an diesem beispiel: die hausfrau zeigte gelegentlich auf eine spazieren gehende familie "das sind auch arme leute" "wieso sind die arm?" "na, die wohnen in miete".
das alles war nicht böse gemeint und wurde im grunde wettgemacht durch gemeinsame nachmittage oder abende im garten mit grillen und viel selbst gebranntem obstler.

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Kategorie: Kategorielos
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Kommentare 1

Kommentare

  1. Alter Kommentar
    Benutzerbild von pedro
    .. schöne erinnerungen ...

    danke
    und besten gruß
    Permalink
    Veröffentlicht: 22.01.2012 um 19:30 von pedro pedro ist offline
 

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