Hier finden sich Texte, Geschichten und Gedichte von Sybille L.
Skurriles, Fantastisches, Provokatives...all das und mehr werdet ihr im Laufe der Zeit in diesem Blog finden.
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Zimmer ohne Zukunft
Veröffentlicht: 23.02.2010 um 11:54 von Hirnwichsen
Zimmer ohne Zukunft
Das Zimmer stank erbärmlich nach Tod und getrocknetem Sperma. Unaufhaltsam war der Geruch in jeden Winkel des düsteren Raumes gekrochen, hatte sich in die abgeschälte, braune Tapete und den billigen, verdreckten Laminatboden gefressen. Hatte sich unauslöschbar in die Nasenlöcher der beiden Menschen geätzt, die still und ineinander verschlungen auf der durchgewetzten Matratze lagen.
Ein asthmatisches Husten aus der Nachbarwohnung weckte Stella aus unruhigem Schlaf. Verwirrt und unter Schmerzen suchte sie in den Untiefen des Bettes nach Zigaretten. Der Männerkörper, der regungslos neben ihr lag, atmete kaum merklich. Ohne ihn zu wecken stand Stella langsam auf, ignorierte den Protest ihrer verkrampften Muskeln und schwankte in die Küche. Sie drehte eine Herdplatte auf und als diese rot glühte, hielt sie die zerknautschte Gauloise darüber. Paffte. Hustete. Spuckte einen kleinen Blutbatzen in das rostige Waschbecken.
Regungslos stand sie da und beobachtete den blutigen Auswurf. Sah zu, wie er langsam zum Abflussloch glitt und darin verschwand. Teilnahmslos wiegte sie den Kopf und zuckte mit den Schultern. Sie beobachtete ihren Tod seit Monaten. Gleichgültig und abwesend, als wäre es nicht ihr Leben, das sich langsam dem Ausguss näherte, wie gerade dieser blutige Batzen aus ihrer Lunge.
Müde schwankte sie zum brummenden Kühlschrank, öffnete die kaputte Tür und fing die Flasche auf, die ihr entgegenrollte. Wodka. Sehr gut. Sie drehte den Verschluss auf und nahm einen tiefen Schluck. Ihr Magen rebellierte, aber Stella hatte schon vor langer Zeit aufgehört, auf die Warnsignale ihres Körpers zu achten. Seit kurzem hatte ihr Körper deshalb neue Wege gefunden. Er stieß sie ab, wie ein Stück Holz, das unter der Haut steckte.
Ein Würgen, ein Zucken und schon erbrach sie den Wodka und noch mehr Blut auf den klebrigen Fußboden. Die Beine gaben den Versuch auf, ihren ausgemergelten Körper zu tragen, langsam sackte sie über der Lache aus Erbrochenem zusammen, die Flasche noch immer in der Hand.
Stella fluchte leise und versuchte ihre Beine zu sortieren. Sie robbte langsam über den Boden. Ihre Hand tastete blind nach oben, auf der Suche nach einer Stütze. Berührte die noch heiße Herdplatte. Es zischte. In Zeitlupe zog sie die Hand zurück, rollte sich auf den Rücken und betrachtete das weiße, verbrannte Fleisch ihrer Finger, als hätte sie so etwas noch nie zuvor gesehen.
Erneut brach die Übelkeit mit aller Stärke über sie herein. Stella würgte und erbrach sich im liegen. Zu schwach um sich selbst zu helfen lag sie in ihrer Küche, zuckte und wand sich, während ihr Gesicht langsam lila anlief. Ihre Muskeln verkrampften, die Blase entleerte sich schwallartig, ihre gelbsüchtigen Augen blickten suchend zum Nebenzimmer, traten langsam hervor, als ihr Herz verzweifelt versuchte, das kleine bisschen Restleben durch ihre Adern zu pumpen.
Ein leztes Zucken, ein letztes Flackern als der Lebensfunke erlosch, dann lag sie still in ihrer Küche, starrte emotionslos in die Leere.
Eine Fliege kroch langsam über ihr verschwollenes Gesicht. Rüsselte teilnahmslos über die noch warme Haut. Suchte den angenehmsten Platz, um ihre Eier abzulegen.
Aus dem Nebenzimmer drang ein leises Stöhnen, als Stellas Geliebter langsam aus seinem komatösen Zustand erwachte...
© Sybille Lengauer
Das Zimmer stank erbärmlich nach Tod und getrocknetem Sperma. Unaufhaltsam war der Geruch in jeden Winkel des düsteren Raumes gekrochen, hatte sich in die abgeschälte, braune Tapete und den billigen, verdreckten Laminatboden gefressen. Hatte sich unauslöschbar in die Nasenlöcher der beiden Menschen geätzt, die still und ineinander verschlungen auf der durchgewetzten Matratze lagen.
Ein asthmatisches Husten aus der Nachbarwohnung weckte Stella aus unruhigem Schlaf. Verwirrt und unter Schmerzen suchte sie in den Untiefen des Bettes nach Zigaretten. Der Männerkörper, der regungslos neben ihr lag, atmete kaum merklich. Ohne ihn zu wecken stand Stella langsam auf, ignorierte den Protest ihrer verkrampften Muskeln und schwankte in die Küche. Sie drehte eine Herdplatte auf und als diese rot glühte, hielt sie die zerknautschte Gauloise darüber. Paffte. Hustete. Spuckte einen kleinen Blutbatzen in das rostige Waschbecken.
Regungslos stand sie da und beobachtete den blutigen Auswurf. Sah zu, wie er langsam zum Abflussloch glitt und darin verschwand. Teilnahmslos wiegte sie den Kopf und zuckte mit den Schultern. Sie beobachtete ihren Tod seit Monaten. Gleichgültig und abwesend, als wäre es nicht ihr Leben, das sich langsam dem Ausguss näherte, wie gerade dieser blutige Batzen aus ihrer Lunge.
Müde schwankte sie zum brummenden Kühlschrank, öffnete die kaputte Tür und fing die Flasche auf, die ihr entgegenrollte. Wodka. Sehr gut. Sie drehte den Verschluss auf und nahm einen tiefen Schluck. Ihr Magen rebellierte, aber Stella hatte schon vor langer Zeit aufgehört, auf die Warnsignale ihres Körpers zu achten. Seit kurzem hatte ihr Körper deshalb neue Wege gefunden. Er stieß sie ab, wie ein Stück Holz, das unter der Haut steckte.
Ein Würgen, ein Zucken und schon erbrach sie den Wodka und noch mehr Blut auf den klebrigen Fußboden. Die Beine gaben den Versuch auf, ihren ausgemergelten Körper zu tragen, langsam sackte sie über der Lache aus Erbrochenem zusammen, die Flasche noch immer in der Hand.
Stella fluchte leise und versuchte ihre Beine zu sortieren. Sie robbte langsam über den Boden. Ihre Hand tastete blind nach oben, auf der Suche nach einer Stütze. Berührte die noch heiße Herdplatte. Es zischte. In Zeitlupe zog sie die Hand zurück, rollte sich auf den Rücken und betrachtete das weiße, verbrannte Fleisch ihrer Finger, als hätte sie so etwas noch nie zuvor gesehen.
Erneut brach die Übelkeit mit aller Stärke über sie herein. Stella würgte und erbrach sich im liegen. Zu schwach um sich selbst zu helfen lag sie in ihrer Küche, zuckte und wand sich, während ihr Gesicht langsam lila anlief. Ihre Muskeln verkrampften, die Blase entleerte sich schwallartig, ihre gelbsüchtigen Augen blickten suchend zum Nebenzimmer, traten langsam hervor, als ihr Herz verzweifelt versuchte, das kleine bisschen Restleben durch ihre Adern zu pumpen.
Ein leztes Zucken, ein letztes Flackern als der Lebensfunke erlosch, dann lag sie still in ihrer Küche, starrte emotionslos in die Leere.
Eine Fliege kroch langsam über ihr verschwollenes Gesicht. Rüsselte teilnahmslos über die noch warme Haut. Suchte den angenehmsten Platz, um ihre Eier abzulegen.
Aus dem Nebenzimmer drang ein leises Stöhnen, als Stellas Geliebter langsam aus seinem komatösen Zustand erwachte...
© Sybille Lengauer
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Veröffentlicht: 02.04.2010 um 12:05 von pedro





















