
15 teils großformatige Werke aus der eigenen Sammlung präsentiert
Karlheinz Essl in seinem Klosterneuburger Museum. Da es sich, wie er selbst im Vorwort des Katalogs schreibt, um eine „Liebe auf den zweiten Blick“ handle, sind die Arbeiten ab 2003 entstanden, das jüngste im letzten Jahr. „
Horologium“ (2003) tritt dem Besucher am Beginn der Schau entgegen, und führt direkt in das Universum
Anselm Kiefers ein: Der in Paris lebende deutsche
Künstler wurde mit der Aufarbeitung der deutschen Kriegsvergangenheit berühmt, und verband seine eigene Geschichte, die im Jahr 1945 begann, mit der „Stunde Null“ der deutschen Nation. Seit 1993 beschäftigt er sich immer wieder mit germanischen, jüdischen oder christlichen Mythen und der Sternenkunde.
Schiffe und das Meer tauchen als Metaphern für das Leben auf, das sich manchmal glatt und ölig wie die ruhige See ausbreitet aber auch heftig umtost sein kann. Sinken oder Rudern? Wohin geht die Reise? Auch die modernen Wissenschaften haben wenig Erfolg bei der Erklärung, was Leben wirklich ist und wozu der Mensch existiert. Niemand kann diese Frage mit der gleichen Gewissheit beantworten wie ein Mythos, der vom Werden und Vergehen der ganzen Welt zu berichten weiß. In uralten Geschichten vom Erschaffen, der Liebe, Rache und dem Tod – urmenschliches Verhalten in göttlicher Gestalt. Nur einigen wenigen
Dichtern, wie
Paul Celan und
Ingeborg Bachmann, traut der
Maler ähnliche Kraft zu.
In geheimnisvollen
Bildern nimmt uns
Kiefer mit der
Poesie seiner Kompositionen, seinen monumentalen Formaten, der Haptik der Oberflächen gefangen.
Anselm Kiefer einen „
Maler“ zu nennen, würde seinem Werk nicht gerecht werden. Er baut seine
Bilder, zerreißt deren Oberflächen. Nicht glatt sein, sondern aufwühlen, nicht deuten, sondern Schicht um Schicht einen möglichen Sinn freilegen oder diesen neu schaffen. Auch ein Wissen um die Personen, Orte oder Geschichten, die in
Bildtiteln oder auf dem
Bildträger angegeben sind, führt nicht zu einem besseren Verständnis der Werke. Der „
Alchemist“ der
zeitgenössischen Kunst propagiert kein Erzählen oder Erklären im herkömmlichen Sinn, sondern ein gleichzeitiges Sehen des Möglichen, des Vergangenen und vielleicht auch des Zukünftigen.
Wunderbare
Bilder in einer spannenden Gegenüberstellung. Vom 9.3. bis 13.5.2012 noch durch
Industrie-Zeichnungen des geistreichen
Rudolf Schönwald ergänzt. Seit über 30 Jahren arbeitet der 1928 in Hamburg geborene Wahlwiener an einem Zyklus von
Industriezeichnungen, in denen er sich mit meist aufgelassenen Minen und ihren verlassenen und dem Verfall preisgegebenen
Architekturen beschäftigt.
Abbildungen:

1 Anselm Kiefer, Für Paul Celan, 2005, Öl, Emulsion, Acryl, Kohle, Bleistift und Gips auf Leinwand, 190 x 280 x 50 cm © Anselm Kiefer, Fotonachweis: courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris

2 Anselm Kiefer, Horlogium (Sternenfall), 2003, Öl, Emulsion, Acryl auf Leinwand mit Gipspflanzen, Bleibücher, Karton, Metall und Glas, 280 x 500 x 32 cm, 170 x 160 x 140 cm © Anselm Kiefer, Fotonachweis: Stefan Fiedler – Salon Iris, Wien

3 Anselm Kiefer, Nur mit Wind mit Zeit und mit Klang, 2011, Öl, Emulsion, Acryl, Schellack und Blei auf Leinwand
380 x 560 x 30 cm © Anselm Kiefer, Fotonachweis: Ulrich Ghezzi courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris · Salzburg

4 Anselm Kiefer, The Fertile Crescent, 2009, Mischtechnik auf Leinwand, 330 x 762 x 7 cm © Anselm Kiefer, Fotonachweis: Ulrich Ghezzi courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris · Salzburg

5 Portrait Anselm Kiefer, 2007, Foto und © Renate Graf

6 Rudolf Schönwald, Bergwerk „Consolidation“, Gelsenkirchen, 2011, Schwarzkreide auf Papier, 45 x36,5cm, Foto: Reumiller & Reumiller, Wien

7 Rudolf Schönwald, Schacht „Rudolphe II“, Elsass, 2010, Schwarzkreide auf Papier, 36,5 x 45 cm, Foto: Reumiller & Reumiller, Wien
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