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Alt 05.06.2008, 18:04   #14 (Permalink)
Dr.O.Pout
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Zitat:
....Interpretieren so für sich selbst....
LOL! Ich sehe schon wir zwei müssen vor jeder Diskussion eine Runde "Begriffs-Definition" einlegen, damit wir dann am Ende vom Gleichen reden und ergo dann auch die "gleiche Sprache" sprechen!
(jaja, ich weis schon, "Deutsch", aber Du weisst schon was ich mein'!)


Also ich meine mit "interpretieren" nicht die im klassischen Sinn auch richtig übersetze "Auslegung" im Sinne von: "was bedeutet es für mich" - sondern damit meine ich die missbrauchte tagtägliche geradezu "Vergewaltigung" von klassichen Werken durch "Kunstschaffende" und "Kunst(sach)verständige".

Mir rollen sich regelmäßig die sprichwörtlichen Zehennägel auf, wenn sich irgend so ein Schlaumeier hin stellt und (meist mit die Wichtigkeit seiner Ausführungen unterstreichenden ernsthaften Mine, mit gespitztem Mund) erklärt "was uns der Künstler damit sagen will". Da würd' ich dann gerne loskrähen: "Hej! Penner! Bist Du bei ein bis zwei Flascherl Absinth mit Loutrec zusammengesessen und er hat Dir lallend offenbart was er mit diesem Werk "sagen" wollte?"

Oder - gerade in meiner Nische, für mich der absolute Siedepunkt meiner eigenen emotionalen Betrachtungen, wenn irgend ein phantasie- (&respekt!)-loser Regieseur ein Werk "interpretiert" und dazu erklärt, dass Grillparzer es selber ganz toll fände, würde er in unserer heutigen Zeit leben wenn sich Nathan nackt, schwitzend und fluchend über eine kargest ausgestattete Bühne schnauft, während im Hintergrund ein sogar für das Original viel zu fetter Elvis-Imitator die Speckringe über seiner Hüfte kreisen lässt.

Ich meine dieses "Interpretieren von Klassikern" das in Form von Zwangsbeglückung über dem Publikum ausgeleert wird wie im Mittelalter der Nachttopf durchs offene Fenster. (Ähnlichkeit des Inhaltes nicht zufällig gewählt). Und dazu die aus höchst komplizierten Wort- & Satz-Konstruktionen geschmiedeten Erläuterungen deren wahres Credo darauf hinausläuft dem verwirrt Lauschenden mitzuteilen dass er sich als "Kunstbanause" outen würde, wenn er nicht wohlwollend mit dem Kopf nickt und so tut als hätte er diesen Haufen gequirlter Schei*e verstanden.

Für die Österreicher unter uns, da gibts so eine Kultursendung im ORF, die ich sofort abdrehe wenn ich rein zufällig darüber stolpere, weil die Moderatorin dieses "Sche**e-quatschen" perfektioniert hat. Dabei bin ich jemand den Kultur und Kunst wirklich interessiert! - Aber das ist einfach nicht zum aushalten!

Mich hat kürzlich ein ziemlich wichtiger Zeitungsfritze aus Wien gefragt (weil wir zufällig befreundet sind) was ich von Peymann und Bernhard halte und nachdem ich ihm meine Antwort gegeben hab' hat er gesagt: Das wird nie und nimmer irgendwer drucken, weil dann jeder behaupten würde der Autor dieser Zeilen wäre ein.... richtig! "Kulturbanause"!
Hab' ihn noch gefragt ob ich denn so unrecht hätte, und er hat gemeint: "Wenns't mich nie zitierst, dann: nein, hast eh recht."

*schnaub*

Kratzfuss
Der Herr Doc
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"Alle Menschen werden als Originale geboren, die Allermeisten sterben aber als Kopien."
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