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Super-Moderator
Registriert seit: 14.05.2008
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Ja! Da geb' ich Dir recht! Ich philosophiere auch für mein Leben gern, "herumspinntisieren" kann mans auch eher verächtlich nennen, und es ist ein Stück Lebensqualität das man in der Tat sehr sehr selten antreffen oder zustande bringen kann!
Wir haben hier auf der Insel mal versucht einen "Philosophischen Zirkel" ins Leben zu rufen, aber irgendwie waren es zum Einen herzlich wenig Leute die sich überhaupt dafür interessiert haben und zu Anderen ist das Ganze unglaublich rasant in eine Art Selbsthilfegruppe auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, und zwar in jedem Fall ganz individuell auf die Suche nach dem Sinn im jeweils eigenen Leben reduziert worden.
Die paar Ausnahmen die nicht in diese Rubrik gefallen sind waren irgendwelche selbsternannten Superschlauis, die sich aus allen möglichen philosophischen Strömungen, Religionen und dergleichen irgendwelche Lebenskonzepte selber gestrickt hatten, und dann mit missionarischem Eifer unterwegs waren. (Und ich kann Eiferer ganz gleich welcher Provenience überhaupt nicht ausstehen! LOL)
Das mag als Erklärung dienen, zum besseren verständnis warum ich auf dieser "Loslösung" auf die "Emotionslosigkeit" bei der Positionsbestimmung herumreite. Philosophie steht für mich deutlich höher als mein eigenes Ego und kann folglich niemals von MEINEN (kleinen) Errungenschaften, Problemen und Meinungen handeln. Philosophie ist für mich die Suche nach den Zusammenhängen im großen Ganzen, das uns alle irgendwie mit einschließt.
Das ist im Grunde genau der Punkt den ich schon versucht habe aus verschiedensten Blickwinkeln auszuleuchten bzw, mich daran heranzutasten, auch und gerade in dieser Diskussion
Klar könnte man auch über mein "c" diskutieren, doch denke ich dass diese Diskussion eher eine Fruchtlose bleiben muss, weil sie nur in diese Abart von mentaler Auseinandersetzung abrutschen kann, wo man sich eigentlich nur um den "Sieg" streitet, einen anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen. Womit wir wieder beim "Missionieren" wären, und da würd' ich mich verdammt schnell ausklinken! *smile*
Das (für mich) fruchtvolle bei einer Diskussion ist es mir gegensätzliche Standpunkte anzuhören (vulgo "lesen" eben hier in einem Forum) und mir dann Gedanken darüber machen zu können, in aller Ruhe, ob und wenn dann wie das meine eigenen bisherigen Gedanken bereichert, ergänzt oder bestätigt.
.............womit wir wieder bei der von mir so massiv strapazierten Positionsbestimmung wären.
Ich verstehe sogar Deine Ablehnung weil es zu sehr nach Einengung kling, (und das ist im Lichte Deines Pharma-Beispiels durchaus verständlich). Ich bin der Erste im Bunde wenn es darum geht "begrenzende Grenzen" (!) niederzureissen oder zu überschreiten, - nichts desto trotz muss ich zuerst wissen wo (oder was) diese Grenzen sind! Nicht wahr?!
Und Du hast auch recht, dass es gerade in meinem Leben als Schauspieler in aller erster Linie um Emotionen geht. Mit jeder Rolle muss ich ZUERST verstehen was diese Figur fühlt, was sie bewegt, was sie "ticken" lässt, und gerade beim "Kontrabass" (z.B.) ist das eine Figur die weniger kaum gemein mit meiner wirklichen Persönlichkeit haben könnte. Natürlich hat alles im Leben erst dann einen Wert wenn dieser in irgend einem Bezug zur eigenen Emotion, oder zumindest einer begriffenen Emotion steht! Die Menschheit ist doch nicht die "Krone der Schöpfung" weil wir Autos bauen, zum Mond fliegen oder den Ast auf dem wir sitzen absägen können! Wir sind es deswegen weil wir zu einer schier uferlosen Palette an Emotionen fähig sind!
Will man sich aber einem Thema sprachlich nähern, muss man sich zunächst über die "Grenzen" oder Begriffe einigen die man verwendet. Sonst kann dabei nur ein Durcheinander in der Kommunikation herauskommen. Das gilt meiner Meinung nach für das Gespräch zwischen zwei Menschen ebenso, wie für eine ganze Gesellschaftsordnung. Nimm als Beispiel "Betrug". Wir alle haben einen (mehr oder weniger) gesunden Menschenverstand dafür was Betrug und daher unrecht ist. Und doch regelt letztendlich nur die Judikatur und eine Handvoll OGH Entscheidungen und erst die gelebte Praxis was als Betrug strafbar ist, und was gefühlter, enttäuschter und ungestrafter Betrug bleiben muss. Da ist man gut beraten das "emotionslos" als jene Fakten anzunehmen die eben unser Leben regeln, diese anzuerkennen und sich damit zu arrangieren oder eben dagegen anzukämpfen. Aber wenn man nicht in der Lage oder Willens ist das einmal - und zwar halbwegs emotionslos" zu begreifen dann muss man geradezu scheitern.
So gesehen entsteht meine Beharrlichkeit auf die "möglichst emotionslose Standort-Bestimmung" - alles andere, was dann folgt, was dann mich persönlich betrifft ist SEHR von Emotionen durchsetzt. Aber das ist dann eben persönlich und eignet sich im Grunde nicht mehr für eine Diskussion.
(ausser für eine missionarisch angehauchte! - siehe oben!)
Als Schauspieler muss ich all die Emotionen einer Rolle zunächst einmal erfahren oder aus meiner eigenen Erfahrung herausklauben. Dann habe ich begriffen was dieses Spektrum ausmacht, habe es erlitten, habe mich gefreut, habe all den Stress durch gemacht, den jede Emotion (im positiven oder eben negativen Sinne) ausmacht, - aber dann, dann muss ich diese Emotion ausschalten und sie bei den Auftritten "nur mehr spielen". Selbst dann bin ich nach einer Vorstellung von diesem geballten Zusammenfallen und Abwechseln von Emotionen noch wirklich völlig erschöpft! Dabei habe ich sie bloß mehr "gespielt" und nicht mehr wirklich durchlebt. Schrecklicher Gedanke wenn es anders wäre.
Tja, soweit mein heutiger "philosophischer Beitrag"! - Das gedicht das Du in das Gedicht des Tages gesezt hast: Ist das von Dir? Sehr schön! Gefällt mir gut. Ich bin ein wirklicher Fan von Lyrik, also von Sprachrythmik die sich nicht notwendiger Weise dadurch auszeichnen muss, dass sie sich reimt, sondern eben die Sprache eine Eigendynamik annehmen lässt. Wie Musik, nur gibts keine offensichtlichen Noten, sondern man muss in dem Text versinken, seine eigene Rythmik suchen und bekommt erst dadurch den Schlüssel zu seinem Inhalt. Sonst stolpert man und kann vor lauter Stottern gar nicht mehr erfassen was da steht. Schillers Bürgschaft ist für mich eines der größten Werke dieser Sprachrythmik und ich fand und finde es immer schade, dass die Kids dazu gezwungen werden es auswendig zu lernen und dann irgendwie herunter zu leiern. Denn würden man sie zunächst auf die Fährte dieser mächtigen Rythmik setzen, dann würden sie erkennen, dass das wie ein gigantischer Trommelwirbel ist und was für einen ungeheuren Spass die Bürgschaft macht, wie sie einen gefangen nehmen kann und wie leicht es dann erst wird sie sogar auswendig zu lernen...
Meine 4 Minuten habe ich nur hier am Laptop gehabt, und vor lauter Zorn gelöscht als ich das mit Coelho herausgefunden hab' - ich galube ich habe irgendwo auf meiner webseite noch einen Absatz daraus, wenn es nicht schon ein Teil der Neufassung dieser Arbeit ist. Wirklich fertig ist derzeit nur mein Roman "Escat", bloß habe ich keine Ahnung wie man ein eBook macht, und ich persönlich mag Bücher auch nicht am Bildschirm lesen. Das ist viel zu sehr ritualisiert: Da zieh ich mich in meine Hängematte zurück, schaue in meinen Garten, zunächst intensiv, dann nur über den Rand des Buches, und dann versinke ich zwischen den Seiten.
Naja, das war wieder mal mehr als nur lang genug, ich mach' schluss, freu mich schon auf Deine Replik, bin gespannt............
Kratzfuss
Der Herr Doc
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"Alle Menschen werden als Originale geboren, die Allermeisten sterben aber als Kopien."
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