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Super-Moderator
Registriert seit: 14.05.2008
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Also ich empfinde diese Diskussion sehr bereichernd, danke, und möchte sie gerne noch ein wenig weiter führen.....
Ich gebe Dir im Grunde völlig recht mit dem was Du sagst, - meine Einwände beziehen sich lediglich auf die Unterscheidung zwischen der von Dir (durchaus legitmer Weise!) vertretenen "Ich-Position" und jener zu der ich zu gelangen versuche.
Wir alle haben längst gelernt das Zentrum des Universums in uns selbst zu sehen, und alles andere dreht sich mehr oder weniger intensiv, mehr oder weniger interessiert um uns, unsere Gefühle, Betrachtungen, Wertvorstellungen und natürlich auch Lebensumstände. Es gibt die Möglichkeit das als Egoismus zu betrachten, aber das wäre eine negative Etikettierung die ich in diesem Zusammenhang gar nicht sehe.
Ich selber sehe mich da eher als einen von unzähligen Trabanten, Sternen, Monden, und Meteoriten welche sich um eine -mir in vollem Umfang leider unbekannte- "Sonne" drehen. (Ich versuche zumindest mich so zu sehen)
Auch wenn ich diese "Sonne" nicht kenne, so ist mir doch klar, dass sich meine Position in diesem ganzen Gedrehe durch ihre Verhältnismässigkeit (in der Positionierung) zu all den anderen Teilen definiert.
Nun sehe ich mich selbst durchaus als Jemanden der tendenziell den ganzen anderen Zugbahnen entgegen wandert, "gegen den Strom schwimmt" (wie man so schön sagt) und dadurch zwangsläufig ständig gegen irgendwelche Hindernisse deppert die brav und ordentlich wie sich das gehört so wie alle anderen dahin ziehen.
Aber das betrifft nur mich persönlich, und ist daher (in meinen Augen) für die hier gegenständliche Frage gar nicht relevant.
Du verneinst mit einiger Vehemenz die Notwendigkeit von allgemein anerkannten Fix- & Orientierungspunkten. Ich meine hingegen, Du würdest des Nachts in der finsteren Wohnung nie und nimmer aufs Klo finden, wenn Du nicht genau wüsstest wo Deine "Fix- & Orientierungspunkte" sind.
Wir alle brauchen diese, es sind die grundsätzlichen Normen welche für eine Gesellschaft, ganz gleich für wie zivilisiert sie sich hält, schlicht unverzichtbar sind.
Aus diesen Punkten ergibt sich die ein gewissen Spinnen-Netz aus Orientierungshilfen, wie Leuchtfeuer auf einer Seekarte, wie Waypoints in der Fliegerei. Wie wir uns zwischen diesen "Landmarks" zu "bewegen haben" ist das was man die Spielregeln einer Gesellschaft nennt. Teilweise festgeschrieben in dicken Gesetzesbüchern, teilweise solche der "ungeschriebenen" Natur. Darin gibt es gewisse Spielräume die zu nutzen uns "erlaubt" ist - und dann gibt es jede Menge schwarzen Raum drum herum den wir eigentlich nicht zu betreten haben.
Man redet uns ein, dass dort fürchterliche unbekannte Gefahren lauern die uns mit Haut und Haaren verschlingen werden wenn wir die vorgebenen Pfade verlassen. Ganz so wie vor 400 Jahren, als die Menschen noch dachten, dass hinter dem Horizont die Erde einfach zu ende ist, und ein Schiff das dorthin segelt grausam abstürzen muss.
Der Künstler ist für mich jemand der diese "schwarzen Löcher" wissentlich und willentlich betritt - und zwar nicht nur in seinen geheimsten Gedanken und Träumen sondern er lässt sie wie durch Zauberhand materialisieren. Teilt sie dadurch mit den Anderen, öffnet sich in einem Mass das für Herrn und Frau Durchschnitt schon als Gedanke furchteinflößend wäre.
Die meisten Künstler tun dies als Maler oder Bildhauer, schon weil die (mehr oder weniger9 figurative Darstellung der eigenen Vorstellung etwas ist was man relativ leicht transportieren und vermitteln kann. Andere tun dies mit Worten was ungleich schwerer und einschränkender ist - nicht zuletzt durch die sich sofort auftuende Sprachbarriere. Das Bild z.B. das Du gepostet hast, wird jeder Mensch auf der ganzen welt verstehen, ganz wurscht welche Sprache er spricht! Eine Stufe dazwischen mag die Musik sein, wo der Text durch eine Melodie ergänzt wird welche wiederum das Potential hat die rein sprachlichen Grenzen zu überwinden.
Worum ich mich immer wieder aufs Neue bemühe ist es eben, meine Betrachtungen von meinem Ego, meinen Erfahrungen, meinem Wissen aber auch von meinen ganz persönlichen Dämonen zu lösen und als solche nüchtern, emotionslos und rein philosophisch zu betrachten.
So gesehen stellt sich in unserer Diskussion hier die Frage wie wir das Thema dieses Threads interpretieren wollen:
( a) Was ist Kunst (aus meiner Sicht, in Relation zu meiner Person und meinem Schaffen)? oder
( b) was ist Kunst (aus objektiver Betrachtungsweise - soweit das eben geht)?
oder sogar c:
( c) was ist Kunst (im Sinne von: Was soll sie sein? Was darf sie, Was darf sie nicht?)
3 x die gleiche Fage: "Was ist Kunst" - und darauf wird es 3 völlig unterschiedliche Gruppen von Antworten geben. Diskutierbar kann m.b.M.n. nur ( b) sein, - alles andere erschöpft sich in der einmaligen persönlichen Definition.
Ich will noch einmal versuchen einen Vergleich zu bringen (wohl wissend, dass Vergleiche immer hatschen! *smile*)
Wenn ich heute in den Wienerwald gehe, mich ein wenig in die Büsche schlage und auf einer kleinen Wiese die ich mittendrinnen entdecke eine Flagge aufpflanze und erkläre: "Das soll von heute an "Doktor-Land" sein!" - dann ist das noch nicht einmal lächerlich weil ich ausser Acht gelassen habe, dass bloß weil ICH noch nie auf dieser Wiese war, das noch lange nicht bedeutet, dass diese wiese nicht schon jemandem gehört, längst erforscht wurde, kartographiert und auf den mm genau dokumentiert ist.
Wenn ich also Neuland entdecken will, dann muss ich erst schauen wo es noch weisse Flecken auf der karte gibt, und kann mich erst dann auf den Weg machen diese zu erobern.
Geographisch gibt es auf unserer Welt keine "weissen Flecken" mehr, - aber in dem Land unseres Verstandes, unserer Phantasie, unseres Geistes, unserer künstlerischen Ausdrucksformen da gibt es noch jede Menge von dem Zeugs.
Und selbst auf dem Sektor Kunst kann man noch in diese Falle (mit der Wiese) tappen. Ist mir erst vor kurzem passiert! Ich hab' ein Buch geschrieben, mit dem Titel "4 Minuten" nur um DANN festzustellen dass ein gewisser Paul Coelho eines mit ganz ähnlichem Inhalt unter dem Titel "10 Minuten" schon veröffentlicht hat. Also ist meins in den Kübel gewandert, weil ich mir sicher nicht auch noch nachsagen lassen möchte, abgeschrieben oder Ideen geklaut zu haben.
Wurscht, das war nur eine Anmerkung am Rande:
Wirklich klären müssten wir eigentlich erst einmal ob wir hier über (a) (b) oder ( c) - siehe oben - diskutieren wollen.
Kratzfuss
Der Herr Doc
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"Alle Menschen werden als Originale geboren, die Allermeisten sterben aber als Kopien."
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