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Alt 29.05.2008, 09:28   #15 (Permalink)
Dr.O.Pout
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Vorausschickend: Ich denke, dass unsere Überlegungen gar nicht so weit von einander entfernt sind, bloß vermischt Du (m.b.M.n.) die oft strapazierten "Äpfel mit Birnen".

So gesehen hast Du mit letztem Post die Dimension über die wir hier diskutieren um eine weitere Ebene erweitert, aber einer Klärung der Grundsatzfrage sind wir damit um keinen Schritt näher gekommen.

Rekapitulation:
Ich unterschied zwischen "DER Realität" und "EINER Realität" wobei sich Beides auf den IST-Zustand bezieht. Also auf das Hier und Jetzt und sich (simplifizierender Weise) nicht auch noch um die Zeit-Achse kümmert.

Natürlich hast Du recht, dass "Realität" auch nichts Statisches ist. Also einem steten Wandel unterliegt.... und Du hast auch recht, dass jeder Einzelne von uns durch sein eigenes Verhalten letztlich sowohl zu diesem momentanen IST-Zustand beiträgt als auch für jeden Künftigen IST-Zustand mitverantwortlich ist.

Inwieweit man in diese Rechnung bereit ist persönliche Glaubensbilder miteinbeziehen will, ist Geschmacksfrage und bereits ein Teil der letztschlussendlichen Realität wie man sie eben sehr individuell erlebt. (Aus meiner Definition daher Teil von "EINER Realität".

Nachdem es hier causal um den Versuch geht Kunst per se zu definieren, ist jede Variante von "EINE Realität" zulässig und damit die individuelle "Grenz-Annäherung" bzw. "Grenz-Überschreitung" genau das was Kunst ausmacht. Ganz genau in dem Sinn wie ich es versucht habe in meinem ursprünglichen Posting zu beschreiben bzw. zu definieren.

Ganz gleich wie groß der Schritt eines einzelnen Menschen oder auch eines Teils der Menschheit - oder der gesamten Menschheit - oder des Universums (!) auch sein mag, man muss sich für eine Betrachtung der Wertigkeit einen Bezugspunkt suchen, sich auf diesen (möglichst global) einigen und kann dann erst "loslegen".

Deswegen habe ich die Begrifflichkeit "DIE Realität" ins Spiel gebracht, und auch dieses Beispiel vom Ölpreis.
Aber es ließen sich auch unendlich viele andere Beispiele bringen, von dem so Manches, mit maximaler Nüchternheit betrachtet, durchaus auch aufregen kann!

Nehmen wir zum Beispiel diese Geschichte aus Amstetten die es bis in die Nachrichten hier geschafft hat. DER Aufreger der letzten Wochen und eine gemeinhin anerkannte Realität. Dabei ist es das nicht, zumindest nicht in dem von uns (vermutlich uns allen) akzeptierten Ausmass.

Ich versuche mir Orientierungspunkte im Leben zu schaffen indem ich versuche diese (zunächst!) von jeder Emotionalität zu befreien um erkennen zu können was "DIE Realität" ist und dann daraus zu begreifen was und warum "(M)EINE (daraus, auch emotional, resultierende) REALITÄT" ist.

Ich könnte jetzt locker noch ein Stündchen oder so darüber elaborieren (*grins*) aber nachdem ich ohnehin schon berüchtigt bin für meine elends langen Postings, lass ich es einmal so stehen wie es ist und warte ab wie es "ankommt" bzw. "verstanden" wird.

Was ich im Sinne der ursprünglichen Fragestellung herausarbeiten wollte ist, dass sich "Kunst" per se eben darüber definiert wie diese die Grenzen (bzw. deren Überschreitung) des sehr individuellen "Realitäts-Verständnises" erreicht oder überschreitet.

Damit löst sich aber die Frage nach "Was ist Kunst?" automatisch von einer universellen und damit unbestreitbaren Realität welche für mich den Kern einer jeden Frage darstellt.

Nimm einen Banker, einen Autisten, einen islamischen und einen katholischen Religionsgelehrten, einen spirituell-okkulten Künstler, einen Strassenbahnchauffeur und .... (Liste beliebig fortsetzbar) und Du wirst sehr, sehr unterschiedliche Realitäts-WAHRNEHMUNG finden - und folglich mindest ebenso unterschiedliche Kunst-WAHRNEHMUNG!

Die Frage wann etwas als "Kunst" anerkannt werden kann ist wiederum untrennbar mit einer gewissen Mathematik verbunden, Mengenlehre also, sprich: Je mehr ganz unterschiedliche Menschen etwas betrachten und sich der Meinung anschließen können, dass hier die subjektiven Grenzen überschritten wurden, desto größer die Wahrscheinichkeit, dass es sich hier im sinne von "DER Realität" tatsächlich um Kunst handelt. (Deswegen habe ich ganz bewusst mit Dali ein Beispiel aus dem Bereich des "Phantastischen REALISMUS(!)" herangezogen! *grins*)

Deswegen mein Satz: "Kunst ist das Gegenteil aber nicht der Gegensatz von Realität." (Und bei der Bewertung dieses Satzes bitte ich zu berücksichtigen dass das was ich von mir selbst sehe wenn ich in einen Spiegel blicke auch das "Gegenteil" (!) der Realität ist!)

Keine Ahnung wie klar ich mich diesmal ausdrücken konnte, und ob es mir gelungen ist mein persönliches Grundprinzip des "Kleinsten gemeinsamen Nenners - philosophisch betrachtet" darzustellen,... also schau ma amal...

Kratzfuss
Der Herr Doc.
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"Alle Menschen werden als Originale geboren, die Allermeisten sterben aber als Kopien."
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